Umgang mit schwierigen Gesprächspartnern
- Andreas Lassen

- vor 4 Minuten
- 2 Min. Lesezeit

Der Choleriker, der Nörgler, der Schweiger – Deeskalationstechniken für den Büroalltag
Es gibt Gespräche, die laufen einfach. Man hört sich zu, findet Lösungen, geht auseinander und denkt: So kann Zusammenarbeit sein.Und dann gibt es diese anderen Gespräche. Die mit hochrotem Kopf. Mit endlosen Beschwerden. Oder mit dieser ganz besonderen Stille, die lauter ist als jedes Wort. Willkommen im Büroalltag.
Als Trainer für Umgangsformen werde ich oft gefragt, wie man „mit solchen Menschen“ umgehen soll. Meine ehrliche Antwort: Es geht weniger darum, Menschen zu ändern – sondern darum, Gespräche zu führen, ohne dass sie eskalieren oder festfahren.
Schauen wir uns die drei Klassiker an.
Der Choleriker – wenn Emotionen den Raum übernehmen
Der Choleriker kommt nicht leise. Er kommt mit Lautstärke, Tempo und einer ordentlichen Portion Emotion. Oft ist man innerlich schon im Rückzug, bevor das Gespräch überhaupt richtig begonnen hat.
Der häufigste Fehler hier: dagegenhalten. Laut gegen laut, hart gegen hart. Das fühlt sich vielleicht kurzfristig richtig an, verschärft die Situation aber fast immer.
Was stattdessen hilft, ist etwas, das viele unterschätzen: ruhige Klarheit. Ein ruhiger Ton, klare Sätze, wenig Rechtfertigung. Wer emotional hochfährt, braucht zuerst Spiegelung, nicht Argumente. Ein Satz wie:„Ich merke, dass Sie sehr verärgert sind. Lassen Sie uns kurz sortieren, worum es Ihnen konkret geht.“nimmt Tempo raus, ohne klein beizugeben.
Deeskalation heißt hier nicht nachgeben, sondern führen – ruhig, souverän und strukturiert.
Der Nörgler – wenn nichts jemals gut genug ist
Der Nörgler hat immer etwas gefunden. Selbst dann, wenn eigentlich alles funktioniert. Gespräche mit ihm fühlen sich an wie ein endloses Kreisen um Probleme, ohne je bei Lösungen anzukommen.
Hier liegt die Kunst darin, den Fokus freundlich, aber konsequent zu verschieben. Statt auf jede Beschwerde einzusteigen, lohnt es sich, Verantwortung zurückzugeben. Zum Beispiel mit Fragen wie:„Was genau wünschen Sie sich stattdessen?“oder„Woran würden Sie merken, dass es für Sie besser läuft?“
Nörgler fühlen sich oft überhört – paradoxerweise, obwohl sie sehr viel reden. Wer ihnen Struktur gibt, gibt dem Gespräch Richtung. Und das wirkt meist entspannender als jede Diskussion über Details.
Der Schweiger – wenn Stille zur Hürde wird
Der Schweiger ist oft der schwierigste Typ. Keine Gegenwehr, kein Widerstand, keine Meinung. Nur knappe Antworten oder Schweigen. Viele empfinden das als Desinteresse oder Blockade.
Dabei steckt dahinter häufig Unsicherheit, Zurückhaltung oder das Bedürfnis, nichts Falsches zu sagen.
Hier helfen offene, einladende Fragen und vor allem: Zeit. Schweiger brauchen Raum, um ins Gespräch zu kommen. Ein gut gesetzter Satz wie:„Ich habe den Eindruck, Sie haben Gedanken dazu – mögen Sie sie teilen?“öffnet oft mehr als jede direkte Forderung nach Stellungnahme.
Wichtig ist, die Stille nicht sofort zu füllen. Manchmal ist genau das der Moment, in dem sich etwas bewegt.
Was alle drei gemeinsam haben
Ob cholerisch, nörgelnd oder schweigend – schwierige Gesprächspartner bringen uns vor allem eines: aus dem Konzept. Und genau hier zeigt sich gute Umgangsform. Nicht als starre Regel, sondern als innere Haltung.
Wer zuhört, ohne sich zu verlieren, wer klar bleibt, ohne hart zu werden, und wer Gespräche führt, statt sie zu ertragen, schafft Sicherheit – für sich selbst und für andere.
Gute Deeskalation beginnt nicht beim Gegenüber. Sie beginnt bei der eigenen Haltung.
Und manchmal reicht schon ein ruhiger Satz, um aus einem schwierigen Gespräch wieder ein gutes zu machen.





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